Psychologie vom Lachen und Weinen

“Du, ich hab’ Tränen gelacht!”

Report von Prof. Klaus-Peter Dreykorn

Nichts ist so wenig steuerbar wie ein Lachen. Keine Regung des Menschen legt so unverhüllt offen, was im gleichen Moment in seinem verborgenen Inneren vor sich geht. In meinen Trainings beobachte ich stets das Lachen anderer.

Tun Sie es doch selbst einmal. Sie werden staunen und etwas ganz entscheidendes erfahren. Vokale prägen das Lachen! Das ‘A’ nimmt in der Bewertungsskala den ersten Platz ein:

Wer auf ‘A’ lacht, gilt als unbekümmert, selbstbewusst, zufrieden mit sich und der Umwelt. Vitale Menschen, die andere mitreißen können, ihre Ziele gradlinig verfolgen und es nicht nötig haben, Hintertüren zu benutzen, lachen mit dem Vokal ‘A’.

Ist beim Lachen ein ‘Ä’ oder gar ‘E’ zu hören, schwinden sofort die Sympathien. Dieses Lachen hat etwas Meckerndes, Hämisches und Schadenfrohes an sich. Es ist auch das Lachen der Arroganten.

Ein Lachen auf ‘I’, typisch für viele junge Mädchen und Frauen, ist eher als Kichern zu definieren. Es hat nichts mit einem herzhaften, offenen, befreienden Lachen zu tun. Hieraus lassen sich gewisse Unsicherheiten schließen.

Ein Lachen, bei dem der Vokal ‘O’ vorherrscht, klingt nicht nur dröhnend und prahlerisch. Hohn, Trotz, Überheblichkeit und Protest klingen mit. Ehrliche Absichten stecken selten dahinter. Wichtigtuerei und Egozentrik, gepaart mit kalter Berechnung und Hinterhältigkeit, fordern auf, uns vor den O-Lachern zu hüten.

Übrig bleiben noch die U-Lacher. Diese Lacher sind kaum vom Weinen zu unterscheiden. U-Lacher gelten als sensibel und sind leicht zu beeindrucken.

Sie leiden meist selbst unter ihrer Furchtsamkeit. U-Lacher sind zum großen Teil mimosenhafte Menschen, die wir nicht mit besonderer Verantwortung belasten sollten. Menschen die auf ‘U’ lachen, führen keine bösen Absichten im Schilde. Sie sind lediglich labil und leicht einzuschüchtern.

Wesentliche Forschungen zum Lachen und Weinen haben Dr. John Diamond und Dr. Henri Rubinstein durchgeführt. Deshalb müssen wir uns auch der Anatomie des Lachens widmen:

Erfreuliche, erheiternde, überraschende Wahrnehmungen (etwa beim Hören eines Witzes), lösen einen Reflex beim Lachmuskel ‚Zygomaticus’ aus. Dieser Muskel zieht die Mundwinkel nach oben. Gleichzeitig gestaute Atemluft wird rhythmisch ausgestoßen. Ein herzhaft auf den Vokal ‘A’ lachender Mensch lässt nicht nur psychologische, sondern auch körperliche Gesundheit erkennen. Beim Lachen bekommen die Lungen mehr Sauerstoff. Das regt gleichzeitig die Herztätigkeit an. Unser Gehirn sondert vermehrt Endorphine ab, die z.B. auf Schmerzen dämpfend wirken, wie ein körpereigenes Opiat. Hinzu kommt, dass sich das Zwergfell beim Lachen mit großer Heftigkeit bewegt. Es massiert wohltuend die benachbarten Organe: Herz, Lunge, Leber und Bauchspeicheldrüse.

In jahrelanger Arbeit hat der französische Arzt, Dr. Henri Rubinstein, die Auswirkungen des Lachens auf den Organismus erforscht. Durch regelmäßige ‘Lach-Sitzungen’ therapiert Rubinstein in seiner Pariser Praxis so unterschiedliche Leiden wie Herzkranzgefässverengung, Arthrose, Depressionen und chronische Muskelverspannungen. Lachen fördert die Entspannung und die Produktion von Endorphinen. Eine einzige Lachminute bewirkt eine Entspannung des gesamten Organismus, die bis zu 45 Minuten anhält.

Mehr noch: einige Lachminuten, auf den ganzen Tag verteilt, sind mindestens einer Stunde Gymnastik gleichzusetzen.
Dass Lachen gesund ist, haben amerikanische Wissenschaftler experi-mentell bewiesen. Bei den fröhlich lachenden Versuchspersonen fielen die Substanzen, die in Stresssituationen vom Körper verstärkt produziert werden, weit unter den Normalwert zurück. Bei allen ‘Lachern’ stieg der Spiegel der Wachstumshormone deutlich an. Die Schlussfolgerungen aus diesen Experi-menten waren eindeutig für das Forscherteam:
Ein erhöhter Stresshormonspiegel wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus.

Lachen und Fröhlichkeit indessen, die Stresshormone mindern, begünstigen somit die Abwehrkräfte des Organismus. Killerzellen im Blut, die Viren und Bakterien bekämpfen, werden gleichzeitig aktiviert. Das gesamte Abwehrsystem gerät in einen positiveren Zustand. Halten wir es also künftig mit einem chinesischen Sprichwort: “Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag!”

Nicht nur Lachen, auch Weinen ist gesund.

Der Stoff aus dem die Tränen sind, birgt noch Geheimnisse. Er enthält Eiweißsub-stanzen, ein Hormon, das bei Stress ausgeschüttet wird, und nicht restlos definierte Stoffe schädlicher Art, die mit den Tränen aus dem Körper gespült werden. Hierfür spricht, dass sich nahezu jeder Mensch besser fühlt, wenn er sich einmal richtig ausgeheult hat.

Der amerikanische Wissenschaftler, Dr. William Frey vom Ramsey-Hospital in Minnesota stellte fest: “Wer nie oder nur ganz selten weint, leidet öfter an Magengeschwüren, Darmentzündungen und Herzerkrankungen.”

Frauen weinen etwa fünfmal häufiger als Männer, die Tränen immer noch als ein Zeichen von Schwäche und Gefühls-duselei empfinden. Das war nicht immer so. Germanen, von Historikern gern als robuste Gesellen dargestellt, weinten oft und ausgiebig. Ihren gefallenen Kriegern gaben sie gar gefüllte Tränenkrüge mit ins Grab. Die Helden der Antike (Hektor oder Achilles), waren die reinsten Heulsusen.

Fortschrittliche Mediziner und Psycho-logen empfehlen speziell ihren männlichen Patienten, die im Beruf den harten, unerschütterlichen Entscheidungsträger darstellen müssen, auf keinen Fall das Schluchzen und Weinen zu unterdrücken.

Dass Frauen soviel öfter als Männern die Augen übergehen, liegt nach jüngsten Erkenntnissen nicht nur an den Rollen-klischees. Weibliche Rührseligkeit hat klar erkennbare organische Quellen. Für den Tränenfluss ist das Hormon ‘Prolaktin’ verantwortlich, das auch die Milchproduk-tion in den Brustdrüsen steuert.

Dr. Frey konstatierte, dass der Prolaktin-spiegel bei Frauen um 60 Prozent höher liegt als bei Männern.

Vor der Pubertät ist er bei Mädchen und Jungen gleich hoch. Beide Geschlechter weinen in diesen Jahren auch ebenso häufig. Der Biochemiker Frey entdeckte in den Tränen das Stresshormon ACTH, welches bei seelischen und körperlichen Belastungen freigesetzt wird.

Was später an weiblichen Wangen hinunterkullert, zeigt jedoch durchaus nicht immer Schmerz und Trauer an, sondern signalisiert genauso häufig Hilflosigkeit und Anlehnungsbedürfnis. Es aktiviert seit jeher alle möglichen männlichen Beschützerinstinkte.

Wichtig: Wer weint, entgiftet den ganzen Organismus. Nun könnten Gesundheitsfanatiker auf die Idee kommen, sich eine tränenreiche Entschlackung zu verordnen, indem sie, mangels Kummer, Zwiebeln schneiden. Dabei weint man zwar, doch es werden keine Stresshormone ausgeschieden. Die Natur hat es so weise eingerichtet, dass nur bei echten Gemütsbewegungen Körper und Seele durch den Tränenfluss profitieren. Tränen sind Perlen der Entspannung und Entlastung. Ich sage: “Wer sich seiner Tränen schämt, schämt sich seiner Seele!”

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