12 Vorurteile über das Älterwerden

Die Macht der Wahrnehmung ist stärker als wir glauben und beeinflusst somit die Meinung der Gesellschaft über ältere Menschen. Diese Meinung wird gestärkt durch öffentliche Medien. Senioren stehen also in der Schusslinie subjektiver Wahrnehmung der Gesellschaft, die wenig mit der Realität zu tun hat.

Das Image der Senioren in unserer Gesellschaft wird durch diese Vorurteile maßgeblich geprägt. Es entsteht ein Image, dass ältere Menschen nutzlos erscheinen und dagegen müssen wir etwas tun.

Vorurteil 1 
Ältere Menschen werden im Alter verwirrt und kindlich, sie werden vergesslich und verlieren jeglichen Bezug zur Realität. Sie werden senil.

Allein der Ausdruck “senil” klingt so negativ, dass er zwangsläufig zu Diskriminierung älterer Menschen führt und schnell zu gesellschaftlicher Isolation und Abhängigkeit führen kann.

Vorurteil 2 
Älterwerden bedeutet automatisch körperlicher und geistiger Abbau.

Wie bei unserem Auto, das in die Jahre gekommen ist, werden nach gewisser Zeit die ersten Verschleißerscheinungen sichtbar. Erste Roststellen und kleine Motorschäden signalisieren uns, dass materielle Dinge eine begrenzte Lebensdauer haben. Deshalb wird das Auto noch längst nicht verschrottet, denn es war immer zuverlässig und seine Fahrtüchtigkeit ist weiterhin ungebrochen.

Das Gleiche gilt für uns ältere Menschen. Durch gute geistige und körperliche Pflege können wir unsere Funktionsfähigkeit erheblich verlängern.

Vorurteil 3
Ältere Menschen verlieren ihre individuellen Unterschiede und werden sich zunehmend ähnlicher.

Das Älterwerden hat keinen Einfluss auf uns als Person. Angeborene Eigenschaften bleiben während unseres gesamten Lebens konstant, im Gegenteil sie erscheinen im Alter noch ausgeprägter.

Ein redseliger Teenager bleibt auch im Alter redselig und ein dickköpfiger Jugendlicher wird zu einem dickköpfigen alten Mann. Mit Ausnahme äußerlicher Änderungen und körperlicher Beschwerden, fühlen wir kaum anders als in jungen Jahren. In Wirklichkeit ist ein älterer Mensch ein Jugendlicher, der nur länger lebt.

Vorurteil 4 
Ältere Menschen werden von ihren Familien verlassen und sind gezwungen, ihr Leben in Einsamkeit und Mutlosigkeit zu verbringen.

Die meisten älteren Menschen leben nicht allein. Mehr als die Hälfte der über 65 jährigen leben mit Partnern oder Familienangehörigen. Weniger als jeder 5. lebt allein. Dies sind meistens Frauen, da sie im Durchschnitt länger leben als Männer.

Vorurteil 5 
Ältere Menschen werden hilflos und können nicht mehr für sich allein sorgen.

Sie werden inaktiv, weniger produktiv und sitzen den ganzen Tag im Sessel vor dem Fernseher.
Viele ältere Menschen engagieren sich in Ehrenämtern, pflegen ihre Hobbys und nehmen aktiv an gesellschaftlichen Ereignissen teil. Es gibt viele Senioren, die noch im hohen Alter neue Herausforderungen annehmen und Unternehmen gründen.

Vorurteil 6
Ältere Menschen sind vergesslich, wollen nichts Neues lernen, sind konservativ und verweigern moderne technische Errungenschaften.

Tatsache ist, dass die Lernfähigkeit im Alter nicht nachlässt. Mag sein, dass dies für das Kurzzeit-Gedächtnis gilt, doch unser Langzeit-Gedächtnis bleibt erhalten.
Ältere Menschen lösen allerdings Probleme anders als junge, sie durchdenken die Dinge eher als sich auf Versuche und vorschnelle Entscheidungen zu verlassen.

Vorurteil 7
Ältere Menschen leisten keinen Beitrag mehr für die Gesellschaft.

Modeworte, wie Rentenanspruch, Ruhestand, Frührentner tragen nicht zum positiven Image älterer Menschen bei. Rentner sein, heißt Geld nehmen und auf Kosten der Jüngeren leben.
Tatsache ist, dass viele ältere Menschen nach Vollendung ihres 65. Lebensjahres weiterhin aktiv im Berufsleben stehen möchten. Lebenslanges Lernen ist der Garant dafür, von der modernen Gesellschaft nicht ausgeschlossen zu werden.

Vorurteil 8
Älterwerden heißt Demenz oder Alzheimer.

Tatsache ist, dass nur ca. 10 Prozent der über 60 jährigen an Demenz oder Alzheimer erkranken. In den meisten Fällen entsteht die Krankheit durch Nichtnutzung des Hirns, d.h., der Verstand wird bequem und verliert auf Sicht die Funktion des Hirns.

Vorurteil 9
Ältere Menschen sind sexuell desinteressiert

Viele Menschen sind der Überzeugung, dass sexuelle Aktivitäten nur für die Jüngeren interessant sind und im Alter nachlassen. Viele Ältere verzichten auf Sex, da sie denken, es wäre nicht gut für sie. Einige ältere Menschen, die sich weiterhin sexuell betätigen, fühlen sich sogar unwohl dabei und haben mitunter Schuldgefühle.

Empirische Untersuchungen haben ergeben, dass die sexuelle Lust im Alter nicht nachlässt. Menschen in guter körperlicher und geistiger Verfassung und mit einem gleichermaßen orientierten Partner setzen bis ins hohe Alter ihre sexuellen Aktivitäten fort. Ältere Menschen allerdings, die durch überhöhten Alkoholkonsum oder Fettleibigkeit ihre Energien eingebüßt haben und sich mit ihrem Partner langweilen, werden sicherlich wenig Sinn für Sex haben. Diese mangelnde Lust auf Sex ist unabhängig vom Alter.

Vorurteil 10
Ältere Menschen sind launisch

Manche ältere Menschen verändern sich in ihrem Wesen. Das Gefühl einer schlechten und unbefriedigenden Lebensbilanz kann auf die Stimmung drücken. Doch grundsätzlich verändern wir unsere Charaktereigenschaften im Alter nicht. Wer schon als junger Mensch Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen hatte, wird auch im Alter die diese Wesenszüge beibehalten

Vorurteil 11
Ältere Menschen sind unproduktiv und wenig kreativ.

Produktiv sind in unserer Gesellschaft die Menschen, die aktiv im Arbeitsprozess stehen und Geld verdienen. Entlässt man sie in den Ruhestand, entsteht schnell die Meinung, dass sie kaum noch aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, ja vielmehr der Gesellschaft zur Last fallen.

Gerade im Alter erkennen und entwickeln viele Ältere neue Kreativität und Aktivität. Sie haben mehr Zeit, sich auf mögliche Fähigkeiten zu konzentrieren und nehmen oftmals aktiv am gesellschaftlichen Leben teil.

Vorurteil 12
Ältere Menschen sind unflexibel

Ältere Menschen sind Veränderungen nicht aufgeschlossen und wehren sich, neue Situationen anzunehmen.
Das Gegenteil ist der Fall. Gerade im Alter müssen Ältere sich neuen Situationen anpassen, wie Krankheiten, Todesfälle in Familie und Freundeskreis und der neuen Lebenssituation nach dem Ruhestand. Ohne die Fähigkeit der Anpassung, würden sie diese Veränderungen gar nicht durchhalten. Wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass ältere Menschen ihre Meinungen nicht so schnell ändern wie Jüngere, doch sie bleiben offen für neue Situationen bis ins hohe Alter.